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2017. november. 22., szerda

„Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute“

logo_deJüdisches Museum Wien präsentiert neue permanente Ausstellung „Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute“

Das Jüdische Museum Wien bietet ab 19. November 2013 seinen BesucherInnen die neue permanente Ausstellung „Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute“. 25 Jahre nach seiner (Wieder-)Gründung und 20 Jahre nach seinem Einzug in das Palais Eskeles setzt das Jüdische Museum Wien damit neue Maßstäbe. Mit der Präsentation der neuen permanenten Ausstellung findet auch der Prozess der Neupositionierung unter der Gesamtleitung von Danielle Spera, die mit der Generalsanierung des Museums am Standort Dorotheergasse 11, der Neugestaltung des Schaudepots und des Ateliers begonnen hat, seinen Höhepunkt. Das Konzept zur permanenten Ausstellung erarbeitete Chefkurator Werner Hanak-Lettner, unterstützt vom KuratorInnenteam.

Frankl plakatDie permanente Ausstellung: Von der Gegenwart in die Vergangenheit In der neuen permanenten Ausstellung führt der Weg im Palais Eskeles von der Gegenwart zurück in die Vergangenheit. „Unsere Stadt!“ ist die permanente Ausstellung zur jüdischen Geschichte der Stadt Wien. Im Erdgeschoß beginnt die Ausstellung mit dem Jahr 1945 und führt bis in die Wiener jüdische Gegenwart. Sie berichtet von der fast gänzlich vernichteten jüdischen Gemeinde, die sich gegen den Widerstand der österreichischen Nachkriegspolitik im Laufe der folgenden Jahrzehnte zu einer zwar kleinen, aber vielschichtigen und lebendigen Gemeinde entwickelte. Es ist eine zutiefst wienerische Geschichte über Immigration: zunächst aus Ostmitteleuropa, dann aus der ehemaligen Sowjetunion – vor allem aus dem zentralasiatischen Raum. Nach dem Blick in die Gegenwart setzt sich die Ausstellung im zweiten Stock fort und führt in die jüdische Geschichte Wiens vor 1945 ein: vom Mittelalter bis zur Schoa. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der dritten jüdischen Gemeinde, die zwischen der 1848-Revolution und 1900 zur größten deutschsprachigen und drittgrößten europäischen Gemeinde wird. Sie ist es, die bis heute den Blick auf das jüdische Wien prägt.

Der Titel „Unsere Stadt!“ ist mit einem Rufzeichen versehen, das sich nicht nur als Selbstbehauptung und Anspruch deuten lässt, sondern paradoxerweise auch als Fragezeichen. Der Titel beinhaltet die Aufforderung, sich der Geschichte Wiens aus einem neuen Blickwinkel anzunähern.

Die intensive Thematisierung der Stadt und ihrer Geschichte in der neuen permanenten Ausstellung findet ihren Niederschlag auch in einer Plakatserie, die mehrere Objekte der Ausstellung unter dem Titel „Unsere Stadt!“ in den öffentlichen Raum stellt. Die Stadt wird damit zum erweiterten Ausstellungs- und Diskussionsraum, jedes der gezeigten Objekte und Bilder lädt den Ausstellungstitel durch seine Gestalt und Geschichte neu auf:

Fahrrad „Halbrennmaschine“ Opel Victoria Blitz aus dem Besitz von Theodor Herzl

Herzl plakatMit diesem Fahrrad fuhr Theodor Herzl in seiner Sommerfrische in Altaussee. Fahrräder der Type „Victoria Blitz“ wurden von 1893-96 erzeugt. 1896 schrieb Herzl selbst ein visionäres Feuilleton über das Radfahren in der Neuen Freien Presse: „Es ist durchaus nicht sinnlos, wenn die Radfahrer sich durch eigenen Tracht, einen besonderen Gruß und andere kleine Züge von der Menge zu unterscheiden versuchen. Sie vertreten tatsächlich, ob sie es wissen oder nicht, schon eine andere Zeit.“ Und er sah die Zukunft in seiner Heimatstadt bereits Wirklichkeit werden: „Siehe, diese Zukunft ist schon da. Unlängst sah ich einen Fleischhauer mit einer umgehängten Strohtasche auf dem Rad über die Ringstraße jagen.“

Die „Halbrennmaschine“ Victoria Blitz ist ein Erinnerungsobjekt an Herzl, verdeutlicht darüber hinaus aber vor allem die Widersprüchlichkeit der Jahrhundertwende und den Druck, dem die sowohl heute unbekannten, als auch weltberühmten Wiener jüdischen Protagonisten hier ausgeliefert waren. Monate bevor sich Herzl über die Zukunft des Fahrradfahrens in Wien Gedanken machte, hatte er mit „Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“ ein visionäres Werk herausgegeben, das den Wiener aus Budapest über die Zukunft des Landes Israels in Palästina denken ließ. Doch auch hier war der Ausgangspunkt Europa. Ein gänzlich anderes jedoch, als das optimistische des radfahrenden Fleischhauers am Ring.

„In Russland werden Judendörfer gebrandschatzt, in Rumänien erschlägt man ein paar Menschen, in Deutschland prügelt man sie gelegentlich durch, in Österreich terrorisieren die Antisemiten das ganze öffentliche Leben, in Algerien treten Wanderhetzprediger auf, in Paris knöpft sich die sogenannte bessere Gesellschaft zu, die Cercles schließen sich gegen die Juden ab.“

Herzls Zionismus war eine Antwort auf die Zustände, die in Wien, Paris und vor allem in Osteuropa herrschten, woher immer neue Zuwanderer in das aufgeheizte antisemitische Klima der Wiener Jahrhundertwende strömten. Das Radfahren hatte Theodor Herzl übrigens von Arthur Schnitzler gelernt. In dessen Roman „Der Weg ins Freie“ fahren alle Rad. Die identitätssuchenden jüdischen Protagonisten genauso wie die Mitglieder des antisemitischen Sechshausner Radfahrklub.

Margit Dobronyi auf der Gangway einer El Al Maschine

Dobronyi plakatDie 1913 in Budapest geborene Margit Dobronyi kam 1956 mit ihren drei Kindern im Zuge des Ungarnaufstands mit zahlreichen jüdischen und nichtjüdischen Flüchtlingen nach Wien. Margit Dobronyis Geschichte ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert, da sie wie ein Großteil der Wiener Jüdinnen und Juden ihrer Generation nach 1945 aus dem Osten Wiens zuwanderte, sich darüber hinaus aber auch zwischen 1960 und 2000 als fotografische Chronistin der jeweiligen Gegenwart der Wiener jüdischen Gemeinde gewidmet hat. Margit Dobronyi wurde so zur Chronistin einer kleinen, aber sehr lebendigen Gruppe, die mehr und mehr durch Zuwanderer und Flüchtlinge, also Menschen mit einer ihr sehr bekannten Geschichte, geprägt wurde.

Das Foto, das möglicherweise einem Familienmitglied geglückt ist, weist auch auf die Bedeutung Israels für die Jüdinnen und Juden Wiens hin. Es entstand im Mai 1968, ein Jahr nach dem Sechstagekrieg. Für die Juden in der Diaspora stellte die Gründung des Staates Israel einen bisher nicht bekannten Sicherheitsanker dar. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die erste Landung einer israelischen EL AL Maschine im Jahr 1949 einen tiefen Eindruck bei den Wiener Jüdinnen und Juden hinterließ. Anlässlich der Exhumierung und der Überführung der sterblichen Überreste Theodor Herzls sandte die gerade erst gegründete El Al ihr zweites Großpassagierflugzeug mit dem Namen „Herzl“ nach Wien, woran sich auch der damals 21-jährige Schoa-Überlebende Leon Zelman erinnerte: „Zum ersten Mal sahen wir ein Flugzeug des Staates Israel mit seinen Emblemen, zum ersten Mal sahen wir junge israelische Soldaten in ihren Uniformen. Wir spürten den Judenstaat zum Greifen nahe.“

Die Fotografin Margit Dobronyi starb 2009 96-jährig in Wien. Das Jüdische Museum Wien hatte noch zu Lebzeiten ihr Archiv mit über 200.000 Negativen angekauft.

Straßenschild „Dr.-Karl-Lueger-Ring“ 2012 von der Universität abmontiert

Karl Lueger plakatKarl Lueger (1844-1910) gilt als Erneuerer der Wiener Kommunalpolitik aber auch als einer der Gründungsväter des modernen, populistischen Antisemitismus. Noch 1895 lehnte Kaiser Franz Joseph die Bestätigung Luegers als Bürgermeister ab. Doch fünf Wahlgänge und ein Interregnum später, ließ der Kaiser Lueger 1897 schließlich als Bürgermeister zu. Er behielt das Amt bis zu seinem Ableben 1910.

Lueger formulierte für seinen Wahlkampf ein klar antisemitisches Programm, das teilweise auch umgesetzt wurde. Etwa wurden jüdische Lehrer entlassen und antisemitische Schulbücher eingeführt. Die Wiener Gemeindeverfassung wurde durch einen Schwur auf den Charakter Wiens als „deutsche Stadt“ ergänzt.

Rund 100 Jahre nach Luegers Tod stand und steht seine Person, seine Politik, sein Antisemitismus im Mittelpunkt einer historischen Debatte. Kristallisationspunkt war der Dr.-Karl-Lueger-Ring. Der 620 m lange Abschnitt der Ringstraße hieß seit 1870 Franzensring. Nach Ende der Monarchie wurde er anlässlich der Errichtung der Ersten Republik in “Ring des 12. Novembers” und in der Zeit des Austrofaschismus 1934 in “Dr.-Karl-Lueger-Ring” umbenannt. Seinen Namen behielt der zentrale Ringabschnitt über den Nationalsozialismus hinweg bis in das Jahr 2012. Nicht nur die Universität, auch das Burgtheater – zwei zentrale Orte des kulturellen und intellektuellen Leben Wiens – hatten somit die Adresse eines Antisemiten. Nach mehreren Jahren öffentlicher Diskussion entschloss sich die Stadt Wien 2012, die Umbenennung in „Universitätsring“ durchzuführen. Der Dr.-Karl-Lueger-Platz und das dort befindliche Lueger-Denkmal, für das bereits ein denkmalkritischer Wettbewerb initiiert wurde, blieben bislang unangetastet.

Das aus dem öffentlichen Raum abmontierte Straßenschild öffnet in der Ausstellung „Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute“ neue Wege für Assoziationen, die vom Beginn der problematischen Moderne dieser Stadt über die Zeit des Austrofaschismus bis in die Erinnerungs-Debatten unserer Gegenwart führen.

Öffnungszeiten und Tickets

Die Öffnungszeiten in der Dorotheergasse sind Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr. Am Standort Judenplatz sind die Öffnungszeiten Sonntag bis Donnerstag 10 bis 18 Uhr, Freitag 10 bis 14 Uhr. Für beide Museen gibt es ein gemeinsames Ticket zum Preis von € 10, ermäßigt € 8, Gruppen € 7, Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr frei, StudentInnen (bis 27 Jahre), Zivil- und Präsenzdiener € 5, Schulklassen haben nach wie vor freien Eintritt. Weitere Informationen unter http://www.jmw.at/ unter info@jmw.at

(© Jüdisches Museum Wien)

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