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2017. november. 22., szerda

LAST CALL: Die Acht – A Nyolcak, Ungarns Highway in die Moderne 12.09 – 02.12.2012

Die Herbstausstellung des Bank Austria Kunstforums ist der Gruppe A Nyolcak – Die Acht gewidmet: Károly Kernstok, Béla Czóbel, Róbert Berény, Ödön Márffy, Lajos Tihanyi, Dezső Orbán, Bertalan Pór, Dezső Czigány. Um 1909/10 führen sie durch ihren Anschluss an das Modernste, was Europa in dieser Zeit zu bieten hatte, die ungarische Malerei in eine neue Etappe.

Die späteren Acht studieren in Paris die Fauves um Henri Matisse, die Malerei Paul Cézannes und den Kubismus Pablo Picassos und Georges Braques. Plötzlich entsprechen ihre Bilder nicht mehr der traditionellen, im Spätimpressionismus und Symbolismus um 1900 verhafteten Malweise. Radikal und konsequent lässt die Gruppe die akademische Tradition hinter sich.

»Sie sind gar nicht acht, eine ganze neue Generation steht hinter ihnen«, so charakterisiert der Kritiker und Freund der Nyolcak, György Bölöni, die Aufbruchsstimmung in der jungen intellektuellen und künstlerischen Szene in Budapest. Mit den Acht kämpfen Schriftsteller wie Endre Ady, Philosophen wie György Lukacs, Musiker wie Béla Bartok, ja sogar Zeitschriften wie Nyugat (Westen) , um einen Bruch mit der Tradition und um eine zeitgemäße Auffassung von Kunst, Literatur und Musik.

1909 stellt die Gruppe erstmals in Budapest gemeinsam aus. Der Skandal ist perfekt, die Budapester Gesellschaft ist entsetzt über die unkonventionellen, von grellen Farbakkorden und ungewöhnlichen Figurenauffassungen bestimmten Bilder. Über die nächsten Jahre führt die explosive Gruppe, die sich anlässlich ihrer nächsten Ausstellung 1911 den Namen A Nyolcak – Die Acht gibt, ihre Malerei abseits der Akademien und Traditionen fort. Die Individualität ihrer Mitglieder spiegelt sich in der in rascher Folge wechselnden Stilllage ihrer Bilder: so rezipieren sie nach dem Fauvismus die Ordnungssysteme Cézannes, beschäftigen sich mit einer von der Klassik der Antike bestimmten Monumentalmalerei und begeistern sich für den Expressionismus.

Die von starken, ihren jeweiligen stilistischen Präferenzen nachgehenden Charakteren zusammengesetzte Gruppe zerfällt schnell. Schon 1912, bei ihrer dritten Ausstellung, beteiligen sich nur vier von den Acht. Und bei einer Gastschau im Wiener Künstlerhaus 1914 teilen sich die Nyolcak in zwei Lager: Die konservativ orientierten Márffy, Orbán, Kernstok und Czigány stellen im Künstlerhaus aus, während die stark expressiven und unkonventionellen Arbeiten Tihanyis und Berénys von der Wiener Jury abgelehnt werden.

Trotz des kurzen Bestehens von A Nyolcak geht von diesem Zweig der europäischen Avantgarde ein starker Impuls aus – ganz konträr zu der vom späten Symbolismus und vor allem von dem heurigen Jahresregenten Gustav Klimt dominierten österreichischen Malerei derselben Jahre. Frisch und unentdeckt präsentieren sich die Nyolcak. Mit dieser Ausstellung wird diese bis jetzt zu wenig bekannte ungarische Moderne international positioniert, so wie es ihr aufgrund ihrer Qualität und innovativen Kraft zusteht.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Bank Austria Kunstforums mit dem Szépművészeti Múzeum, Budapest und der Magyar Nemzeti Galéria, Budapest.

Der Katalog zur Ausstellung

Die Acht – A Nyolcak. Ungarns Highway in die Moderne, Ausstellungskatalog Bank Austria Kunstforum Wien. Herausgegeben von Gergely Barki, Evelyn Benesch und Zoltán Rockenbauer, 208 Seiten, ca. 200 Farbbildungen, erschienen im Deutschen Kunstverlag, München. Texte von Peter Vergo, Gergely Barki und Zoltán Rockenbauer. 29 Euro, erhältlich im Shop des Bank Austria Kunstforums und im gut sortierten Buchhandel.

Ingried Brugger, Direktorin des Bank Austria Kunstforums, im Vorwort zum Ausstellungskatalog:

“Ungebrochen ist das Interesse an der frühen Moderne, an jener Kunst, die in den ersten Jahren des vergangenen Jahrhunderts alles bislang Dagewesene revolutioniert und das gemalte Bild von der gesehenen Wirklichkeit emanzipiert hat. Die sogenannten Gründungsväter der Moderne – Cézanne oder Van Gogh, Seurat und Gauguin – waren dafür Pate gestanden. Sie wiesen den jungen Malern den Weg in die Moderne, führten sie in den vollkommenen Bruch mit der jahrhundertelangen Tradition der westlichen Malerei. Matisse und die Fauves oder, einige Jahre später, Braque und Picasso und der frühe Kubismus bilden die Basis für die Weiterentwicklung der Moderne und ihrer Avantgarden, letztlich bis hin zu Duchamp und seiner superben Geste des Verneinens von jegliche Kunst und Malerei.

Das unbestrittene Zentrum dieses Aufbruchs ist Paris, die Metropole an der Seine, die zumindest bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts das internationale Kunstgeschehen dominiert. Auf der Stadt Paris, auf ihren Künstlern liegt nach wie vor ein Hauptaugenmerk der Rezeption, allemal das einer breiten, kunstinteressierten Öffentlichkeit. Die Ausbreitung des Expressionismus und Kubismus über Europa bis hin nach Russland sind längst erforscht; die Dresdner Brücke, der italienische Futurismus oder die russischen Avantgarden sind Bestandteil unseres Bildungsrepertoires. Sonderwege, wie etwa der des österreichischen Frühexpressionismus, sind hinlänglich beschrieben und abgefeiert worden und verbuchen schon seit langem eine internationale Resonanz. Man glaubt, diese wichtigen Jahre der Kunstgeschichte bis in ihre letzten, auch peripheren Verästelungen hinein zu kennen, und täuscht sich doch: Die unter dem Gruppenbegriff A Nyolcak (Die Acht) formierten ungarischen Maler sind außerhalb ihres Heimatlandes wenig bekannt, gar nicht zu sprechen davon, dass ihr Beitrag zum frühen Chor der Moderne bislang so gut wie nicht zu hören gewesen ist. Und doch ist dieser Beitrag essentiell. Die Acht revolutionierten nicht nur die Kunst Ungarns, sie standen tatsächlich inmitten der maßgeblichen künstlerischen Umwälzungen, die sie – nahe zu zeitgleich zu den Erfindern – rezipierten und formten. Der mit dem Fin de Siécle einhergehende gesellschaftliche und kulturelle Epochenumbruch hatte auch Budapest erfasst. Dichtung, Musik, Theater und bildende Kunst befanden sich in einer Art gemeinsamen Aufbruch wider die Tradition, vereint auch durch das Interesse an Paris, am internationalen Ausland, am »Hinaus in die Welt«, das die ungarischen Künstler im Übrigen so sehr von den Künstlern des österreichischen Frühexpressionismus und des noch regierenden Doyens des Jugendstils, Gustav Klimt, unterscheidet.

Lehrjahre in Paris: Ausstellungen im Pariser Salon d’Automne und im Salon des Indépendants seit 1905, gemeinsam mit Kandinsky oder Jawlensky und den Fauves; Kontakte zu den maßgeblichen intellektuellen Kreisen, etwa dem um die Geschwister Leo und Gertrude Stein; allenthalben stattfindende persönliche Begegnungen und Freundschaften mit den Fauves und anderen bahnbrechende Künstlern und schließlich der Entschluss, alles wieder in Ungarn zusammenzuführen: Das beschreibt eine in Europa einzigartige Konstellation, die – getragen vom Glauben an eine Gemeinschaftlichkeit der Künstler und Durchmischung der Gattungen – letztlich an der Idee hängt, der ungarischen Kunst als Gesamtes Gewicht und Prägekraft im Sinne der internationalen Moderne zu verleihen.Die Bilder von Károly Kernstok, Béla Czóbel, Róbert Berény, Ödön Márffy, Lajos Tihanyi, Dezső Orbán, Bertalan Pór, Dezső Czigány besitzen stets auch ein exotisches Idiom.Es liegt eine Fremdartigkeit über ihnen, die selbstverständlich mit der Sozialisation der Künstler in Ungarn zusammenhängt, jedoch – gemessen etwa an ihren russischen Kolleginnen und Kollegen – viel indirekter auftritt. Das Abarbeiten an der eigenen Volkskunst etwa, das die frühen russischen Avantgarden forcierten, ist den Ungarn so nicht geläufig. Es geht hier mehr um (intellektuelle) Stimmungen, um Schwingungen aus der Ferne der eigenen Maltradition. Es sind dies Gebundenheiten, die im Übrigen der absoluten Bildautonomie entgegenstehen (so gesehen einen antimodernen Gestus in die Bilder bringen). Das ist ihr Fluch, aber auch ihr Reiz.

Mit dieser Ausstellung zeigt das Bank Austria Kunstforum erstmals außerhalb Ungarns die bahnbrechende Gruppe der Acht. Die Ausstellung zieht einen Bogen von den fauvistischen Anfängen in Paris, den Jahren der Sezession von der ungarischen Tradition und der ersten gemeinsamen – und skandalumwitterten – Ausstellung Uj Képek (Neue Bilder) im Jahre 1909 über die Erfolgsjahre der Gruppe und die beiden großen Ausstellungen der Nyolcak 1911 und 1912 bis hin zu ihren letzten Auftritten. Innere Missstimmigkeiten und die Differenzierungen der künstlerischen Ausrichtungen belasteten die Gruppe bereits seit Jahren. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die neuen politischen Konstellationen in Europa und die unterschiedlichen Schicksale der Künstler beendeten schließlich jenes Kapitel der ungarischen Kunst, das als ebenso originärer wie in Anspruch und Qualität überzeugender Beitrag zur Entwicklung der Moderne gewertet werden muss.”

Credits: © http://www.bankaustria-kunstforum.at/

Róbert Berény – Selbstbildnis mit Strohhut,1906 Magyar Nemzeti Galéria, Budapest © VBK, Wien, 2012

Béla Czóbel – Stillleben, 1907 Privatbesitz © VBK, Wien, 2012

Lajos Tihanyi – Der Pont St.-Michel in Paris, 1908 Privatbesitz

Károly Kernstok – Reiter in der Dämmerung, 1911 Magyar Nemzeti Galéria, Budapest

Dezső Czigány – Schauspielerin, um 1907 Rippl-Rónai Múzeum, Kaposvár

Dezső Czigány – Stillleben, um 1910 Gyula Kemény

Bertalan Pór – Selbstbildnis, 1912 Magyar Nemzeti Galéria, Budapest © VBK, Wien, 2012

Béla Czóbel – Nackte Knaben, 1906/07 Janus Pannonius Múzeum, Pécs © VBK, Wien, 2012

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